Tag Archives: Hans Geske

Schattenseiten Teil 8 – von H. Geske

Erst als es schon dämmrig wurde sahen sie wieder die ersten Anzeichen von Leben. Zunächst handelte es sich um etwas Moos auf einem Stein und ein paar halbvertrocknete Grasbüschel. Doch schon wenig später fanden sie einen Busch, der Blätter von einem kräftigen Grün trug und schließlich schritten sie wieder über eine saftige Wiese. Als es schließlich so dunkel war, dass Rodge zweimal innerhalb von einer Minute über Steine stolperte, die er nicht gesehen hatte, machten sie halt. Wie immer entzündeten sie ein Feuer und saßen nach einer Mahlzeit aus ihren Vorräten noch eine Weile nebeneinander da. Rodge säuberte sein Sensenschwert und Alija, deren Messer bereits wieder glänzten wie neu, schaute ihm dabei zu. Schließlich ergriff sie das Wort.
„Du hast dich gut geschlagen heute. Zwei von den Biestern gehen auf dein Konto, und außerdem…“ Continue reading

Schattenseiten Teil 7 – von H. Geske

Pünktlich bei Sonnenaufgang wachte Alija auf, streckte sich und wickelte sich aus ihrem Umhang. Rodge fragte sich, wie sie nach den wenigen Stunden Schlaf, die sie gehabt hatte, den ganzen Tag hindurch wandern wollte, aber sie wirkte frisch und ausgeruht, als sie sich zu ihm an die Überreste des Feuers setzte. Als ihr Blick auf das Ergebnis seiner Bemühungen, Sensenblatt und Holzgriff zu einer eindrucksvollen Waffe zu verbinden fiel, konnte sie sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Das sieht ja noch nicht sehr furchterregend aus. Da werden sich die Mutanten vor Lachen kaum halten können. Na gut, das war gelogen, dazu fehlt ihnen der Humor.“ Continue reading

Schattenseiten Teil 6 – von H. Geske

Im Nachhinein war Rodge seine Reaktion auf die plötzliche Erkenntnis, von einem Mädchen beschützt worden zu sein, äußerst peinlich. Die junge Frau hatte ihn nicht einmal mit einer spöttischen Antwort bedacht. Sie hatte ihn nur ein paar Sekunden lang mit einem Gesichtsausdruck angesehen, in dem sich Unglaube, Überlegenheit und Mitleid auf eine Weise mischten, das Rodge seinen Blick augenblicklich zu Boden senkte. Continue reading

Schattenseiten Teil 5 – von H. Geske

Nachdem Clara weg war, machte Leopold sich daran, das ganze Haus noch einmal gründlich zu durchsuchen. Einerseits hatte er immer noch keinen regenfesten Mantel gefunden, andererseits hatte die Begegnung mit der jungen Frau ihm klar gemacht, dass ihm noch etwas anderes fehlte. Leopold war auf der Suche nach einer größeren Waffe. Continue reading

Schattenseiten Teil 4 – von H. Geske

Was für ein merkwürdiges Schauspiel. Eben von der Jagd zurückgekehrt hatte der Schatten beobachtet, wie plötzlich ein Mann, etwas älter als das Ziel seiner Beobachtung, aus dem Dickicht gestolpert war, sich mit dem erschrockenen Jungen unterhielt um sich gleich darauf mit ihm ans Feuer zu setzen. Kannten sich die beiden? Continue reading

Schattenseiten Teil 3 – von H. Geske

Langsam stießen Fetzen von Wirklichkeit in sein Bewusstsein vor und vertrieben Stück für Stück Schlaf und Traumreste. Licht drang durch die geschlossenen Augenlider, das Gefühl der Decke, in die er sich eingewickelt hatte, auf der Haut und allmählich auch die Schmerzen, die das Liegen auf dem harten Boden verursachte. Leopold schlug die Augen auf. Es war schon heller Vormittag. Über ihm wölbte sich ein strahlend heller Postkartenhimmel und die Vögel zwitscherten laut, während sie über ihm hin- und herflogen. Als er sich aufrichtete merkte er nicht gleich, dass etwas fehlte. Verschlafen faltete er seine Decke zusammen und wollte sie gerade in den Rucksack stecken, nur dass da nichts mehr zum hineinstecken war. Continue reading

Schattenseiten Teil 2 – von H. Geske

Langsam sank die Sonne. Leopold sah mit gemischten Gefühlen zu, wie der große feurige Ball am Horizont verschwand und die Welt in Dunkelheit hüllte. Einerseits freute er sich darauf, nach einem durchwanderten Tag endlich schlafen zu können, andererseits war es seine erste Nacht außerhalb des Hauses seiner Eltern, das erste Mal, dass er sich den Gefahren der Natur, besonders aber denen der Menschen aussetzte. Er war sich seines Mangels an Erfahrung mit allen Arten von Gefahren, die ihm hier draußen lauern konnten, durchaus bewusst. Continue reading

Schattenseiten Teil 1 – von H. Geske

Liebe Mutter, lieber Vater,

es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass ihr dies hier je zu lesen bekommt, aber für den Fall, dass ihr noch am Leben seid und an diesen Ort zurückkehrt schreibe ich euch diese Nachricht. Ich habe nun zwei Wochen lang auf eure Rückkehr aus dem Dorf gewartet, zwei Wochen, obwohl ihr sonst immer nach spätestens drei Tagen wieder da wart. Einmal war ich im Ort und habe die Leute gefragt, aber niemand konnte bestätigen, dass ihr überhaupt da angekommen wärt. Es fällt mir schwer, dies zu schreiben, aber ich muss davon ausgehen, dass euch etwas zugestoßen ist. Continue reading