Michael Pauen

Utopisches Denken: Wahn oder Sinn?

Michael Pauen, Professor für Philosophie des Geistes an der Humboldt-Universität zu Berlin

Utopische Vorstellungen werden zunehmend als totalitär abgelehnt. Zuweilen wird sogar unterstellt, dass die totalitären Diktaturen des 20. Jh.s ihren Ursprung nicht zuletzt im utopischen Denken haben. Diese Vorwürfe basieren jedoch auf einem fundamentalen Missverständnis des utopischen Denkens, das sich immer als fiktiver Gegenentwurf zur bestehenden Realität, nicht jedoch als politischer Prorammentwurf verstand. Zudem hat sich das utopische Denken in Dystopien und offenen Utopien längst kritisch mit seiner eigenen Geschichte auseinandergesetzt. In jedem Falle bleiben Utopien nach wie vor ein wichtiges Gegengewicht gegen die normative Kraft des Faktischen und die Beharrungskräfte bestehender Institutionen.

Thesen:

  1. Utopien sind wichtige Formen der Verständigung über gesellschaftliche Zukunftsvorstellungen
  2. Sie sind literarisch-philosophische Fiktionen, die nicht mit realen Politikentwürfen verwechselt werden dürfen
  3. Der Vorwurf, Utopien stützten totalitäre Tendenzen, basiert also auf einem Missverständnis utopischen Denkens
  4. Dystopien sind ebenfalls literarisch-politische Formen der kritischen Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen
  5. Der ästhetische Charakter gerade der Inszenierung des Schrecklichen entwickelt dabei oft jedoch eine beachtliche Eigendynamik.

Vita:

Michael Pauen, Studium in Marburg, Frankfurt und Hamburg
Promotion 1989, Habilitation 1995
Professor am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin
Sprecher der Berlin School of Mind and Brain

Visiting Professor am Institute for Advanced Study in Amherst, Massachusetts
Fellow an der Cornell-University in Ithaca NY. 
Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst

Ernst-Bloch-Förderpreis 1997
Nachwuchspreis der Deutschen Phonoakademie 1983

Michael Pauen - Foto

Publikationen:

Grundprobleme der Philosophie des Geistes. Eine Einführung. Frankfurt: Fischer Taschenbuchverlag 2001; 3. Auflage 2002.

Das Rätsel des Bewusstseins. Eine Erklärungsstrategie. Paderborn: Mentis 1999, 2. Auflage: 2001.

Pessimismus. Geschichtsphilosophie, Metaphysik und Moderne von Nietzsche bis Spengler. Berlin: Akademie Verlag 1997.

Dithyrambiker des Untergangs. Gnostisches Denken in Ästhetik und Philosophie der Moderne. Berlin: Akademie Verlag  1994.

Schellengeklingel oder Offenbarung. Rationalität und ästhetische Lust in deutschen Kunsttheorien bis zur Moderne (Diss.) Münster 1991.

Utopische Vorstellungen werden zunehmend als totalitär abgelehnt. Zuweilen wird sogar unterstellt, dass die totalitären Diktaturen des 20. Jh.s ihren Ursprung nicht zuletzt im utopischen Denken haben. Diese Vorwürfe basieren jedoch auf einem fundamentalen Missverständnis des utopischen Denkens, das sich immer als fiktiver Gegenentwurf zur bestehenden Realität, nicht jedoch als politischer Prorammentwurf verstand. Zudem hat sich das utopische Denken in Dystopien und offenen Utopien längst kritisch mit seiner eigenen Geschichte auseinandergesetzt. In jedem Falle bleiben Utopien nach wie vor ein wichtiges Gegengewicht gegen die normative Kraft des Faktischen und die Beharrungskräfte bestehender Institutionen.

Michael Pauen ist Teilnehmer am Futurologischen Kongress!

Thesen:

  1. Utopien sind wichtige Formen der Verständigung über gesellschaftliche Zukunftsvorstellungen
  2. Sie sind literarisch-philosophische Fiktionen, die nicht mit realen Politikentwürfen verwechselt werden dürfen
  3. Der Vorwurf, Utopien stützten totalitäre Tendenzen, basiert also auf einem Missverständnis utopischen Denkens
  4. Dystopien sind ebenfalls literarisch-politische Formen der kritischen Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen
  5. Der ästhetische Charakter gerade der Inszenierung des Schrecklichen entwickelt dabei oft jedoch eine beachtliche Eigendynamik.

Kurzbiographie

Pauen, Michael, Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin; Sprecher der Berlin School of Mind and Brain, Mitglied des Center for Behavioral Brain Sciences. Studium in Marburg, Frankfurt und Hamburg. Visiting Professor am Institute for Advanced Study in Amherst, Massachusetts, Fellow an der Cornell-University und am Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst, Ernst-Bloch-Förderpreis 1997.

Wichtigste Veröffentlichungen: Was ist der Mensch? Die Entdeckung der Natur des Geistes, 2007; Illusion Freiheit? Mögliche und unmögliche Konsequenzen der Hirnforschung, 2004; Freiheit, Schuld und Verantwortung (zus. M. Gerhard Roth), 2008; Feeling Causes, Journal of Consciousness Studies 2006; Does Free Will Arise Freely. Scientific American 2003; How Privileged is First Person Privileged Access? American Philosophical Quarterly 2009; Painless Pain, American Philosophical Quarterly 2000; Is Type Identity Incompatible With Multiple Realization? Grazer Philosophische Studien 2003; Freiheit und Verantwortung, Allgemeine Zeitschrift f. Philosophie 2001; Grundprobleme der Philosophie des Geistes. Eine Einführung. Frankfurt: Fischer 2001 (4. Aufl. 2005). Das Rätsel des Bewußtseins. Eine Erklärungsstrategie. Paderborn: mentis 1999 (2. Aufl. 2001). Hrsg. zus. mit Gerhard Roth: Neurowissenschaften und Philosophie. Stuttgart 2001; Hrsg. zus. mit Achim Stephan: Phänomenales Bewußtsein. Paderborn 2002.