Kategorie-Archiv: Bruchstücke der Erinnerung

Vor etwa einem Jahr begann, aus bisher unerfindlichen Gründen, in manchen Teilen der Outlands eine schwere Epidemie-Welle. Die Erscheinungsweise dieser Krankheit fällt sehr unterschiedlich aus, die Symptome reichen von einer einfachen Virusinfektion, über Formen von Epilepsie und Organ-Interruptionen, bis hin zu Fällen von Tuberkulose und Autoimmunstörungen. […]

Schattenseiten Teil 8 – von H. Geske

Erst als es schon dämmrig wurde sahen sie wieder die ersten Anzeichen von Leben. Zunächst handelte es sich um etwas Moos auf einem Stein und ein paar halbvertrocknete Grasbüschel. Doch schon wenig später fanden sie einen Busch, der Blätter von einem kräftigen Grün trug und schließlich schritten sie wieder über eine saftige Wiese. Als es schließlich so dunkel war, dass Rodge zweimal innerhalb von einer Minute über Steine stolperte, die er nicht gesehen hatte, machten sie halt. Wie immer entzündeten sie ein Feuer und saßen nach einer Mahlzeit aus ihren Vorräten noch eine Weile nebeneinander da. Rodge säuberte sein Sensenschwert und Alija, deren Messer bereits wieder glänzten wie neu, schaute ihm dabei zu. Schließlich ergriff sie das Wort.
„Du hast dich gut geschlagen heute. Zwei von den Biestern gehen auf dein Konto, und außerdem…“ Weiterlesen

Schattenseiten Teil 7 – von H. Geske

Pünktlich bei Sonnenaufgang wachte Alija auf, streckte sich und wickelte sich aus ihrem Umhang. Rodge fragte sich, wie sie nach den wenigen Stunden Schlaf, die sie gehabt hatte, den ganzen Tag hindurch wandern wollte, aber sie wirkte frisch und ausgeruht, als sie sich zu ihm an die Überreste des Feuers setzte. Als ihr Blick auf das Ergebnis seiner Bemühungen, Sensenblatt und Holzgriff zu einer eindrucksvollen Waffe zu verbinden fiel, konnte sie sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Das sieht ja noch nicht sehr furchterregend aus. Da werden sich die Mutanten vor Lachen kaum halten können. Na gut, das war gelogen, dazu fehlt ihnen der Humor.“ Weiterlesen

Weltuntergang – von C. Krüger

Wieder und wieder haben sie darüber geredet. Über den Weltuntergang. So, als wollten sie auch ganz sicher sein und ihn auf keinen Fall verpassen. Zuletzt hatte die Welt keine Wahl mehr. So viele konnte sie nicht im Unrecht lassen. Sie seufzte kurz und ungehört, fügte sich dem allgemeinen Wollen und… ging unter.

Das Dilemma offenbarte sich dir in den allernächsten Minuten. Obwohl du es geahnt hattest, traf es dich zumindest unverhofft. Du gehörtest nicht in ihre Welt und nun? Du warst übrig geblieben. Das verbesserte deine Lage keineswegs, denn einsam warst du ja schon in der untergegangenen Welt, aber es verschlechterte sie auch nicht wesentlich. Du bliebst zwar weiterhin unverstanden, aber es war ja auch niemand mehr da, dem du dich verständlich machen müsstest.

Nun würdest du ganz von vorne anfangen müssen und dir eine neue Welt bauen. Du hältst schon mal Ausschau nach geeignetem Material. Tief in dir drin singt die Hoffnung ein leises Lied. Wer weiss das schon, ob nicht noch andere übrig geblieben waren und ob eure Welten nicht eines Tages aufeinander treffen …

Verfasser: Constanze Krüger

Dreizehn – von [’solid]

Ein gleißender Feuerball schob sich langsam über die Dünen im Osten. Es würde nicht lange dauern, bis die Luft vor Hitze flimmern und eine Orientierung in der Wüste vollkommen unmöglichen machen würde. Zakkory Loyd war auf die Pallisade geklettert, welche die Clansiedlung umgab und suchte angestrengt den Horizont ab. Die vier Erkundungstrupps waren längst überfällig, aber trotz Fernglas konnte er keinerlei Bewegung ausmachen. Besorgt schaute er zum Turm hinüber, auf dem die Banner des „Orden des Geistes“ und des „Orden des Fleisches“ lustlos im Wind baumelten. Aber auch der dort postierte Wächter schüttelte den Kopf, bevor er sich
wieder lässig an den Sandsackwall lehnte, der um einen riesigen Flammenwerfer gestapelt war. Weiterlesen

Schattenseiten Teil 6 – von H. Geske

Im Nachhinein war Rodge seine Reaktion auf die plötzliche Erkenntnis, von einem Mädchen beschützt worden zu sein, äußerst peinlich. Die junge Frau hatte ihn nicht einmal mit einer spöttischen Antwort bedacht. Sie hatte ihn nur ein paar Sekunden lang mit einem Gesichtsausdruck angesehen, in dem sich Unglaube, Überlegenheit und Mitleid auf eine Weise mischten, das Rodge seinen Blick augenblicklich zu Boden senkte. Weiterlesen

Schattenseiten Teil 5 – von H. Geske

Nachdem Clara weg war, machte Leopold sich daran, das ganze Haus noch einmal gründlich zu durchsuchen. Einerseits hatte er immer noch keinen regenfesten Mantel gefunden, andererseits hatte die Begegnung mit der jungen Frau ihm klar gemacht, dass ihm noch etwas anderes fehlte. Leopold war auf der Suche nach einer größeren Waffe. Weiterlesen

Schattenseiten Teil 4 – von H. Geske

Was für ein merkwürdiges Schauspiel. Eben von der Jagd zurückgekehrt hatte der Schatten beobachtet, wie plötzlich ein Mann, etwas älter als das Ziel seiner Beobachtung, aus dem Dickicht gestolpert war, sich mit dem erschrockenen Jungen unterhielt um sich gleich darauf mit ihm ans Feuer zu setzen. Kannten sich die beiden? Weiterlesen

Auftrag: Unbekannt ! – von Kaiyon Grix

„Ich bin hier falsch ! “ Mein erster Gedanke nachdem ich aus meinem scheinbar umgestürzten Buggy klettere. Ich nehme Haltung an und überprüfe meinen Zustand und meine Vitalfunktionen. „Alles noch da wo es sein sollte, keine Bißspuren von Mutanten, keine Schusswunden von feindlichen Söldnern …..“ fasse ich zusammen. Ein Automatismus, aus dem ich mich zwinge auszubrechen „Wo bin ich ? “. Ich habe keine Ahnung und es gibt hier auch niemanden der meine Frage beantworten könnte, auch wenn ich sie laut gestellt hätte. Auf jeden Fall scheint es ein entlegener Ort des Ödlands zu sein, in dem karge Betonstrukturen nur mit Fundamentresten und ein paar Stahlträgern abwechseln. Vereinzelt stehen noch ein paar Gebäudeteile die von den häufigen Stürmen und dem aufgewirbelten Betonstaub schon markante Abriebspuren aufweisen. Weiterlesen

Eine Flüchtlingsgeschichte Teil 3 – von C. Krüger

Das Leben in der Siedlung und die erneute Flucht

Ein Jahr nachdem meine Eltern das Haus in der Outlandssiedlung bezogen hatten, wurde also ich geboren. Wenn ich zurückblicke sind diese wenigen Jahre die unbeschwerteste Zeit meines Lebens. Zwar hatten die Erwachsenen beständig Sorgen über die sie miteinander flüsterten. Aber mich bekümmerte das in meiner kindlichen Naivität wenig. Ich setzte damals so viel Vertrauen in die Erwachsenen, dass es mir nicht in den Sinn kam, durch irgendetwas bedroht zu sein. Weiterlesen

Eine Flüchtlingsgeschichte Teil 2 – von C. Krüger

Teil 2: Die frühen Jahre in der alten Welt

Die Flucht aus der Megacity

Wenn ich heute über die frühen Jahre, die Jahre meiner eigenen Kleinkindzeit erzählen will, muss ich mich auf sehr schwankende Böden begeben. Zwar kann ich mich bis in mein drittes Lebensjahr erinnern, aber ich weiss nie genau, was sich tatsächlich abgespielt hat und was etwa meiner eigenen Phantasie entsprungen ist. Es kam vor und das ist auch heute manchmal noch so, dass ich selbst nicht genau wusste und weiss, in welcher dieser beiden Welten ich mich gerade befinde. Ich will sie gleichberechtigt nebeneinander bestehen lassen auch auf die Gefahr hin, dass ein Teil der vermeintlichen Wahrheit nur in meinem Kopf existiert und existiert hat. Weiterlesen

Eine Flüchtlingsgeschichte Teil 1 – von C. Krüger

Teil 1: Prolog

Warum sollte ich unsere Geschichte aufschreiben? Es gibt tausende solcher Geschichten und sie werden unterwegs an abendlichen Zufallsbegegnungsfeuern weitererzählt. Man findet sich selbst in all diesen Geschichten, meist an der Stelle, an der man sich gar nicht sucht und an der man sich noch viel weniger erinnert wissen möchte. Aber darum geht es nicht. Es geht um die Wahrheit. Und die Wahrheit kennt niemand so ganz genau, denn zum einen sind die meisten schon tot, die die alten Zeiten erlebt haben, zum anderen sind die Erinnerungen trügerisch und ein Konglomerat aus Phantasien und Wirklichkeiten. Die noch leben sind so wie ich damals noch zu jung gewesen und haben zum Teil ihre eigenen kindlichen Wahrnehmungen mit den auch nie ganz richtigen Erzählungen und Erklärungen der Erwachsenen verstrickt. Wir werden uns darauf einlassen müssen, niemals die ganze Wahrheit zu erfahren. Weiterlesen

Jackson Teil 3 – von V. I. Clockwork

Es ist noch nicht ganz hell als ich aufwache. Auch der Junge schläft noch, doch ich habe keine Zeit für einen Abschied. Wer weiß, wie weit ich vom Weg abgekommen bin. Was dieser Morgen mit sich bringt, ist eine Richtung. Die Stadt liegt im Osten. Zumindest lag sie da, als ich dem Händler begegnet bin. Wer weiß wo sie jetzt liegt. Aber selbst wenn nicht. Die Erde ist rund also werde ich früher oder später ankommen.
Um einmal kurz klar zustellen, warum ich in die Stadt will, obwohl ich doch bereits alles was ich zu verkaufen hatte verkauft habe: Der Verkauf von geklauten Waren ist nicht mein einziges Einkommen. In der Stadt gibt es noch weitere Möglichkeiten zu Geld zu kommen. Weiterlesen

Jackson Teil 2 – von V. I. Clockwork

Nach der Störung meines kleinen Schläfchens, hatte es wenig Sinn dieses fort zu setzen. Nicht zuletzt, weil ich noch etwas vorhabe. Der Händler mit dem Esel wird schon lange weg sein. Diese Leute mache nicht oft Pausen. Meist nur, wenn sie sich einmal begegnen oder einen Handelsstützpunkt erreichen. Einen Handelsstützpunkt zu überfallen wäre aber selbst für mich zu übertrieben.
Aber ich musste trotzdem noch etwas für mein täglich Brot tun. Händler gibt es genug! Da wird sich bestimmt noch einer finden, der das eine oder andere bei sich hat. Und wenn nicht, dann habe ich zumindest das Buch. Ein seltenes Artefakt einer längst untergegangenen, sagenumwobenen Welt. Ich habe im übrigen keine Vorstellung, wie die alte Welt untergegangen ist. Ich lebe jetzt und hier und nicht in der Vergangenheit! Weiterlesen

Jackson Teil 1 – von V. I. Clockwork

Ich liebe es Gespräche zu belauschen. Wirklich! Es ist beinahe reizvoller, die Menschen zu belauschen, als sie auszubeuten und den Kram zu verkaufen. Allerdings ist es eher ein positiver Nebeneffekt als ein Hobby oder der Gleichen. Eigentlich hab ich mich an diese zwei freundlich wirkenden Händler heran geschlichen um sie um ihre Waren, ihr Geld und ihre Klamotten zu erleichtern. Aber ich bin nun einmal auch nur ein Mensch. Oder sollte ich sagen: Ich bin Gott-sei-Dank auch noch ein Mensch? Es soll ja Wesen geben, die dies nicht einmal mehr von sich behaupten können. Ich persönlich bin solchen Wesen nie begegnet. Ich wüsste nicht einmal woran ich sie erkennen sollte. Man hört Geschichten von vierarmigen Monstern mit sechs Augen… Von den Leuten aus der Stadt. Weiterlesen

Schattenseiten Teil 3 – von H. Geske

Langsam stießen Fetzen von Wirklichkeit in sein Bewusstsein vor und vertrieben Stück für Stück Schlaf und Traumreste. Licht drang durch die geschlossenen Augenlider, das Gefühl der Decke, in die er sich eingewickelt hatte, auf der Haut und allmählich auch die Schmerzen, die das Liegen auf dem harten Boden verursachte. Leopold schlug die Augen auf. Es war schon heller Vormittag. Über ihm wölbte sich ein strahlend heller Postkartenhimmel und die Vögel zwitscherten laut, während sie über ihm hin- und herflogen. Als er sich aufrichtete merkte er nicht gleich, dass etwas fehlte. Verschlafen faltete er seine Decke zusammen und wollte sie gerade in den Rucksack stecken, nur dass da nichts mehr zum hineinstecken war. Weiterlesen

Schattenseiten Teil 2 – von H. Geske

Langsam sank die Sonne. Leopold sah mit gemischten Gefühlen zu, wie der große feurige Ball am Horizont verschwand und die Welt in Dunkelheit hüllte. Einerseits freute er sich darauf, nach einem durchwanderten Tag endlich schlafen zu können, andererseits war es seine erste Nacht außerhalb des Hauses seiner Eltern, das erste Mal, dass er sich den Gefahren der Natur, besonders aber denen der Menschen aussetzte. Er war sich seines Mangels an Erfahrung mit allen Arten von Gefahren, die ihm hier draußen lauern konnten, durchaus bewusst. Weiterlesen

Schattenseiten Teil 1 – von H. Geske

Liebe Mutter, lieber Vater,

es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass ihr dies hier je zu lesen bekommt, aber für den Fall, dass ihr noch am Leben seid und an diesen Ort zurückkehrt schreibe ich euch diese Nachricht. Ich habe nun zwei Wochen lang auf eure Rückkehr aus dem Dorf gewartet, zwei Wochen, obwohl ihr sonst immer nach spätestens drei Tagen wieder da wart. Einmal war ich im Ort und habe die Leute gefragt, aber niemand konnte bestätigen, dass ihr überhaupt da angekommen wärt. Es fällt mir schwer, dies zu schreiben, aber ich muss davon ausgehen, dass euch etwas zugestoßen ist. Weiterlesen