Anfang und Ende – von C. Krüger

Anfang und Ende
(für Simon Jakob)

Am Anfang
war Musik
und
jeder Schritt war ein Ton,
jeder Weg war ein Lied
und
die Menschen hielten inne,
um zu lauschen,
auf den nächsten Schritt,
in dem sie sich wiederfanden
in der grossen Sinfonie.

Da gab es die Liebe noch.

Dann
kam das Licht,
das anfangs noch wärmte.
Die Menschen
wollten es einfangen
und besitzen.
Jeder
für sich allein.
Denn
wo das Licht war,
gab es viel und mehr
zu sehen.

Zu hören war leise Musik.

Das Licht
wurde heller
und kälter.
Die Menschen
sahen alles
und erkannten
immer weniger.

Und immer leiser wurde die Musik.

Die Menschen
suchten das Licht zu greifen
und konnten es doch nie ganz erreichen.
Immer
war es gerade schon weg.

Da verbarg sich die Liebe in dunklen Tönen.

Die Menschen
fingen an,
einander hinters Licht zu führen,
weil sie im Licht
nun sehen konnten,
was sie nicht hatten
und was sie doch begehrten.

Auch da war Musik, doch keiner mehr, der sie hören konnte.

So
kam das Wort,
das den Frieden
wieder herstellen sollte
unter den Menschen
in ganz anderem Licht.
Das Wort schuf Sätze,
die Recht haben wollten
und das Recht
schrie laute Worte.

Da hörten die Menschen die Musik nicht mehr heraus.

Sie
begannen zu streiten
um die Bedeutung
mit Worten
und Waffen.

Da ging die Liebe verloren.

Als es dann ruhiger wurde
und alles
in Worte zu fassen war,
der Frieden
und
der Krieg-
das Leben
und
der Tod,
die Liebe
und
der Hass,
das Sein
und das Nicht- (Mehr)-Sein-

da ist die Liebe erfroren

und die Menschen
fühlten sich leer.
Sie suchten und lauschten
und konnten nichts finden,
sie taten noch dieses und jenes
und hatten vergessen
auf die Musik zu hören.

Einsam
und voller Hass aufeinander
sind sie gestorben.

Es wurde still
und lange
war da
nichts
mehr.

Am Ende
weht der Wind
über warme Erde
und die Liebe
schweigt
und
lauscht…..

AM ENDE
IST
MUSIK.

Verfasser: Constanze Krüger